Die drei Aspekte der gefühlten Sicherheit

Aktualisiert: 11. Sept.

Objektive und Subjektive Sicherheit


Seit 2018 habe ich die Ehre, in der schönsten Stadt der Welt zu leben - In Rom. Als mich eines Tages meine Familie und ein Freund in der Ewigen Stadt besuchten, machten wir natürlich eine große Tour und ich zeigte ihnen die schönsten Plätze.


Am Piazza Navona erblickten wir eine Gruppe Soldaten die dort bewaffnet neben einem Militärfahrzeug standen und offensichtlich für die Sicherheit auf dem historischen Platz zuständig waren. Hier in Italien ist es, wie in anderen europäischen Staaten völlig normal, dass Soldaten zum alltäglichen Stadtbild gehören und die Polizei bei der Kriminalitätsbekämpfung unterstützen. In der Regel beschränkt sich dies auf das Zeigen von Präsenz in der Öffentlichkeit. Allerdings haben diese Soldaten während ihres Sicherungsdienstes die vollen Rechte eines Polizeibeamtedie-dreifaltigkeit-der-sicherheit-was-ist-sicherheit-teil-1n. In Deutschland ist dies rechtlich in dieser Form nicht möglich und man sieht selten Soldaten in der Öffentlichkeit. Geschweige denn bewaffnet.

Subjektive Sicherheit und Objektive Sicherheit
Soldat der "Operation Sichere Straßen" in Rom

Ich, als deutscher Reservist, war beeindruckt von der modernen Ausstattung und vom Auftreten der Soldaten. Eine so perfekte und professionelle Optik, wie sie hier selbstverständlich war, sieht man beim deutschen Militär selten. Die Soldaten wirkten gleichzeitig wachsam, selbstsicher und diszipliniert. Ganz im Gegensatz zu den Polizeibeamten, die im Fahrzeug nebenan unrasiert ins Handy vertieft waren. Außerdem fiel mir das großartige Design des Beretta ARX160 ins Auge und bin seitdem auf der Suche nach einer Möglichkeit dies einmal probeschießen zu dürfen (bisher leider vergeblich).


Mein alter Schulfreund war begeistert, dass der Staat sich hier sichtbar Mühe gibt, für Sicherheit zu sorgen und meinte scherzhaft, er würde sich an einigen Stellen in Mannheim auch gerne Soldaten wünschen. Oder zumindest ein paar Polizeibeamte mehr.


Die Reaktion meiner Mutter war eine völlig andere. Sie ist ein Kind der 1970er Friedensbewegung und verabscheut Waffen, jede Art von Gewalt generell und Militär im speziellen. Die sichtbar geführten Waffen erzeugten bei ihr ein Gefühl des Unbehagens, dass immer wieder aufkam, wenn wir in der Stadt auf Soldaten trafen.


Andere Menschen – andere Wirkung


Noch nie wurde es mir auf eine so offensichtliche Art bewusst, dass es nahezu unmöglich ist für alle Menschen zur selben Zeit am selben Ort für Sicherheit zu sorgen.


Die italienische Regierung hat sich entschlossen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen in Ihren Städten zu treffen. Eine der Maßnahmen war das Entsenden von Soldaten („Operazione Strade Sicure“). Diese Maßnahme hatte auf uns drei verschiedene Auswirkungen.


Mein Freund fühlte sich tatsächlich sicherer. Ich selbst empfand eher Neugier an dem Ganzen. Und bei meiner Mutter erzeugt die ganze Angst. Und das durch ein und dieselbe Maßnahme.


Das Risiko Chance eines Verbrechens oder eines Anschlages zu werden war für uns alle drei an diesem Tag gleich hoch. Dennoch fühlten wir uns unterschiedlich bedroht oder sicher.


Erfahrungswerte für Sicherheitsplaner


Was können Sicherheitsplaner und -verantwortliche daraus lernen?


Sicherheit entsteht in erster Linie subjektiv in unserem Kopf. Erst in zweiter Linie geht es um die tatsächlich objektive Sicherheit.


Ziel eines Sicherheitskonzeptes sollte es sein das subjektive Sicherheitsgefühl in möglichst vielen Schutzpersonen im Operationsbereich zu erhöhen.


Dabei geht es nicht nur um Zahlen, Daten und Fakten, sondern vor allem auch um die emotional-kommunikative Seite.

Sicherheit ist also nicht nur eine Wissenschaft, die gelernt und ein Handwerk, das beherrscht werden kann, sondern auch eine Form der Kunst, die die Emotionen ansprechen muss.


Was meine Vorstellung dieser Dreifaltigkeit der Sicherheit ist und wie ich an das Thema herangehe werde ich hier in Zukunft in weiteren Artikeln darlegen. Dabei freue ich mich immer besonders über Dein Feedback. Das gute Feedback ist schön zu hören, das negative macht einen besser.


Bleib sicher, pass auf Dich auf und genieß Deine Woche!



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